"Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen.
Es ist vielmehr eine Methode um zu verstehen.
Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden."

(Paul Auster)

Claudia Dorninger


Fotografieren heißt für mich mit Licht zu experimentiere. Es bedeutet, sich auf Neues einzulassen, sich überraschen zu lassen, die eigene Sicht auf die Welt zu zeigen – oder erst einmal herauszufinden, wie man sie sieht, wie man sich sieht.

 

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich  mit den verschiedenen Möglichkeiten Fotografie als Medium für Selbstfindungsprozesse, das Sichtbarmachen und Verarbeiten eigener Gefühle und Emotionen, die Selbstwertstärkung und Ressourcenförderung einzusetzen. Individuelles, experimentelles und prozessorientiertes Arbeiten stehen dabei im Mittelpunkt.

 

In meinen Architektur- und Landschaftsfotografien setzte ich mich intensiv mit der Perzeption bzw. Rezeption von Raum im Kontext von Zeit und Emotion auseinander. Ich arbeite intuitiv und zugleich auch konzeptionell auf Grund von Erkenntnissen beim spielerischen Experimentieren mit dem Medium Fotografie. Mit meinen Arbeiten möchte ich sowohl die Kreativität des Sehens beim Betrachter herausfordern als auch neue Wahrnehmungsbilder evozieren, welche die eigene visuelle Apperzeption hinterfragen und eine Befreiung aus Sehgewohnheiten ermöglichen sollen. Der konzeptionelle Anteil meiner künstlerischen Arbeit ist durch mein Architekturstudium stark geprägt. Die Wahrnehmung des uns umgebenden Raumes, seine Farb-, Licht-, Form-, Bewegungs- und Zeitstruktur sind bei meinen Projekten von wesentlicher Bedeutung.

 

 

 

 



Claudia Dorninger ist Künstlerin, Kunsttherapeutin und Kreativtrainerin,  lebt und arbeitet in Perchtoldsdorf bei Wien

 

Zu ihren Ausstellungen  zählen u.a. Self, Foto Wien I Galerie am Park (2025), Im Wald der Fiktionen I Stadtgalerie raumimpuls, Waidhofen I Ybbs, NÖ (2022), Welt(an)sichten I Galerie Schloss Puchheim, OÖ (2022), Wald kartografieren I Artivive, Wien (2022), Doubles I Festivalzentrale der Foto Wien (2022) I Re)konstruktion der Erinnerung I sehsaal, Wien (2021), Das Konstrukt Landschaft, Foto Wien I Galerie am Park, Wien (2021), Wahr-nehmungen I Galerie District4art, Wien (2019), Urbane (De)kodierungen, I sehsaal, Wien (2019), Haben und Brauchen I Künstlerhaus Wien (2019)

Ihre Arbeiten waren u.a. im WUK Wien (2018), im Architekturforum Linz (2017), im MAK Wien (2015, 2018-2025) und im Ars Electronica Center Linz (2015) zu sehen. 

  

Aus- und Weiterbildung:

  • Studium der Architektur  (TU-Wien und  University of Strathclyde in Glasgow)
  • Diplom für künstlerische und angewandte Fotografie  (Prager Fotoschule Österreich)
  • Résidence d'artiste Clervaux - cité de l'image
  • Kreativtraining (MGT Seminarinstitut)
  • Neurographik Spezialistin und Neurographik-Spezialistin für Kinder und Jugendliche  (Institut für Kreativitätspsychologie)
  • Fotokunsttherapieworkshops bei Judith Häusler (fotokunsttherapie.de)
  • Seminare/Workshops in spiritueller Persönlichkeitsentwicklung bei Tina Mader (seelenpfade.net)
  • Kunsttherapie (Mal- und Gestaltungstherapie - MGT Seminarinstitut)
  • Psychosoziale Beratung (LSB - MGT Seminarinstitut)
  • Kunsttherapeutin im Projekt KUKis (Kunst und Kommunikation mit Kindern)

Raum und Zeit  -  Ausstellung "Bildgegenwarten" 

 

Claudia Dorningers Arbeiten sind alles andere als „einfache“ fotografische Abbildungen. Aufgrund differenzierter technischer Raffinessen schafft sie in ihren Werken eine neue Art der Realität, die Zeit und Raum im Bild vereinen und eine ihr ganz eigene malerische Ästhetik widerspiegeln. Die konzeptuellen Arbeiten werden in Werkserien subsumiert, die teilweise inhaltlich und zeitlich abgeschlossen sind oder aber auch sich über Jahre - immer wieder aufgreifend - erstrecken können.

 

So entstand 2013 im Museum der Moderne in Salzburg die Werkserie „Mensch und Raum“. Menschen, im Museum gehend, seziert die Künstlerin als in Zeit und Raum „eingefrorene“ Wiedergabe von Bewegung. Nicht nur die ästhetische Wahrnehmung des Bildbetrachters wird dabei erweitert, sondern das räumliche und zeitliche Erleben wird thematisiert. Die Architektur des Museums bildet den beschränkenden Rahmen und umschließende Konstante der agierenden Personen. 

Die Bewegung ist schließlich auch der Ausgangspunkt der seit 2014 laufenden Serie „Eiszeit“. Der Drehmoment von Eiskunstläufern wird fotografisch analysiert und zu einem in Zeit und Raum aufgelösten Formgebilde. Der durch technische Umsetzung erreichte malerische Effekt evoziert beim Betrachter den Moment der verlängerten Gegenwart, die aber gleichzeitig still zu stehen scheint. In der Arbeit „Spielraum“ werden schließlich die in „Eiszeit“ begonnenen ausgearbeiteten Elemente nochmals gesteigert, indem nun die agierende Figur fünf Mal inmitten der Bewegung festgehalten wird. 

 

Die Architektur – ein wichtiger Impulsgeber für die Künstlerin – spielt in vielen Serien das basierende Element. In der 2015 begonnenen Werkgruppe „Vier Sekunden Gegenwart - Perzeption von Architektur im Kontext der Zeit“ analysiert die Künstlerin: „Was genau sehen wir in jener Zeitspanne, die wir als Gegenwart wahrnehmen? Wie würde ein Bild aussehen, das alle visuellen Eindrücke in einer Ansicht vereint?“ Unterschiedliche architektonische Motive werden vier Sekunden lang belichtet und so werden die klaren Linien des Motivs in malerisch fließenden Auflösungen sichtbar. In dieser Werkgruppe stellt die Künstlerin die Frage nach der Wahrnehmung und deren Veränderung. Der Moment der Gegenwart wird dabei neu interpretiert. Es ist ein Denkanstoß für den Betrachter sich dessen bewusst zu sein und die Sinneseindrücke neu zu überdenken und zu reflektieren. 

 

In der 2017 entstandenen 16teiligen Werkgruppe „Neuland“ hält die Künstlerin Eindrücke, die sie zufällig im Alltag entdeckte, mit der Kamera innerhalb eines Tages fest. Die unscharfe und schemenhafte Schwarz-Weiß Ästhetik lässt viel Raum für Gedanken. Die in die Abstraktion gesteigerte Wiedergaben werden durch den „experimentellen“ Druck noch weiter erhöht. Der Titel „Neuland“ wurde deshalb gewählt, da für den Betrachter sich neue Eindrücke ergeben können und so Neues entstehen kann. 

Mag.Gabriele Baumgartner, Kunsthistorikerin